10 Goldene Tauchregeln

Bei vielen der an mich gerichteten Fragen zum Tauchen wird sehr bald deutlich, dass diese von Anfängern oder reinen Urlaubstauchern gestellt werden.

Die Nennung dieser beiden Tauchgruppen möchte ich auf keinen Fall als Diffamierung verstanden wissen, sondern möchte diese mit den nachfolgenden Tipps ganz gezielt ansprechen.

Denn meine eigenen Erfahrungen auch auf der Tauchbasis von SI und anderen auf dieser Welt zeigt immer wieder, dass dort Fehler gemacht werden, die für uns Taucher gefährlich sind, letztlich aber vermeidbar wären.

 

Regel 1: Meide den Alkohol

Kennen wir doch alle ! Gerade im Urlaub und dann auch noch in warmen Nächten wird die eine oder Nacht mit angestammten oder neuen Freunden durchzecht. Hier sollten Taucher dann Zurückhaltung üben, wenn am nächsten Tag ein Tauchgang ansteht, der noch mit Restalkohol durchgeführt werden müsste. Wer also morgens seine Gräten mit dickem Kopf nicht korrekt aus dem Bett bekommt, sollte selbigen lieber einen tauchfreien Tag gönnen. Deine eigene Gesundheit und die Deines Buddies werden es Dir danken.

Regel 2: Listenkontrolle der Guides

Jeder Taucher, der an einem Tauchgang teilnehmen möchte und den Checkdive absolviert hat, trägt sich in einer Liste in der Halle mit den Tauchbecken ein. Diese Liste hat einen weitaus größeren Nutzen als nur der späteren Abrechnung zu dienen! Sie dient vor allen Dingen dazu, dass die gleiche Anzahl an Tauchern sowohl beim Abtauchen wie auch beim Auftauchen gewährleistet ist.

Diese Listen sind vor allen Dingen für den Guide ein wichtiger Kontrollbeleg dafür, welche Taucher (1) das Tauchboot bestiegen haben, (2) den Tauchgang begonnen und (3) auch auf dem Boot wieder beendet haben. Ich selber habe auf den Tauchgängen auf SI die Erfahrung gemacht, dass sowohl vor dem Tauchen wie auch nach einem Tauchgang die an Bord befindlichen Taucher abgezählt wurden. Das ist sicherlich die Mindestanforderung an eine Kontrolle durch den Guide, wenngleich ein namentlicher Abgleich natürlich besser ist.

Regel 3: Eigenkontrolle der Taucher

Taucher müssen sich bei geführten Tauchgängen auf Dritte verlassen können, wenngleich auch hierbei die Eigenkontrolle enorm wichtig ist.

Ihr werdet auf SI nicht nur als Buddy-Team zusammengestellt, sondern mehrere bilden eine Tauchgruppe, die von einem Guide geführt wird. Prägt Euch unbedingt Euren Guide und die Teilnehmer Eurer Gruppe ein! Prägt Euch nicht die Gesichter der Teilnehmer Eurer Gruppe ein, denn diese werden durch die Taucherbrille unter Wasser eher „verunstaltet“. Achtet eher auf Besonderheiten bei der Tauchausrüstung (Farbe von Anzug und Flossen, Form und Farbe der Tauchbrille, spezifisches Zubehör) und merkt Euch diese.

Das Team taucht gemeinsam und auf Sichtweite. Bei widrigen Sichten heißt das ganz einfach: gemeinsam enger tauchen. Einer meiner eigenen Buddies hatte einen neuen Fotoapparat mitgeführt und hatte nur noch Augen für seine Fotomotive. Das führte zu einem wilden Kreuzen in vertikaler und horizontaler Ebene einschließlich des Abtretens meiner Taucherbrille, dem Verschwinden in einer Höhle, Überschreiten der 30-Meter-Grenze und dem plötzlichen Nachtauchen von bunten Fischen. Hier gibt es nur einige wenige Möglichkeiten: (1) massives „Abmahnen“ durch Buddy und Guide noch unter Wasser, (2) ggf. Abbrechen des Tauchgangs mit anschließender „Kopfwäsche“ über Wasser und (3) dem künftigen Verzicht als Buddy.

In gleicher Weise, wie Ihr beim Auto fahren in den Rückspiegel schaut, nehmt regelmäßig auch den Blickkontakt zu den Mitgliedern Eurer Gruppe und zumindest Eures Buddies mit dem üblichen „OK-Zeichen“ auf.

Regel 4: Korrektes Briefing auf der Tauchbasis oder dem Boot

Auf dem Boot wird der Gruppe ein buntes Bild gezeigt und verbal spärlich erklärt, auf dem Tauchtiefen und Fischpopulationen vermerkt sind. Strömungen und Strömungsrichtungen bekamen wir dann mit, wenn entweder der Guide -auf Nachfragen !- eine Erklärung gegeben hat oder die Strömung vor dem Tauchgang der Gruppe unter Wasser geprüft hat und sein Arm in irgendeine Richtung wies. Das ist etwas zu dürftig und könnte schon ausführlicher sein.

Also informiert Euch bereits auf der Tauchbasis anhand der brauchbaren Mappe über Euer Tauchgebiet und seine Besonderheiten und fragt auch nach, ob dieses Gebiet etwas für Euch und Eure Tauchqualifikation ist. Hier ist die Tauchbasis auf SI vorbildlich. Und fragt beim Briefing all jene Faktoren ab, die für Euch (und Eure Gesundheit !) wichtig sind.

Regel 5: Partner-Check

Zwingt Euch zu einem Partner-Check noch an Bord bei den Tauchfahrten ! Die Guides fordern Euch hier nicht auf, sondern prüfen nur, ob das Ventil der Flasche auch geöffnet ist.

Euer eigenen Partner-Check ist vor allen Dingen deshalb enorm wichtig, wenn Ihr mit einem Zubehör taucht, dass Ihr gemietet hat. Dieser Hinweis gilt generell bei Fremdzubehör und im Besonderen für die Equipment der Tauchbasis, weil dieses nicht in einem guten Zustand ist. So war bei einem meiner Buddies die Jacketdichtung am Inflatorschlauch undicht und „pfiff ab“. Solche Feststellungen unter Wasser können schon zu einer panikartigen Hektik führen.

Dieser erforderliche Partner-Check wird Euch deshalb schwer fallen, weil das Briefing an Bord so knapp vor dem Tauchgang angesetzt ist, dass für den Check keine Zeit mehr bleibt. Legt also Eure Ausrüstung frühzeitig an, macht den Partner-Check und erst dann das Briefing an Bord.

Regel 6: Einhalten des Briefing

Es bereit wenig Freude und kann zudem gefährlich werden, wenn während des Tauchgangs vom Briefing abgewichen wird. So wurde einmal bei uns ein Strömungstauchgang mit der Strömung besprochen, der tatsächlich gegen die Strömung ging. Die ganze Gruppe kämpfte sich verbissen gegen die Strömung an, verbrauchte mehr Luft und mußte bereits nach der halben Strecke auftauchen. Da der Bootsführer von einem anderen Tauchgang ausging, wartete das Tauchboot auf uns an anderer Stelle ! Noch heute bin ich der Auffassung, dass das Auftauchen ohne die Taucherboje („Panikpimmel“) unserer Gruppe wegen des hohen Wellengangs am Außenriff Sichtprobleme vom Tauchboot verursacht hätte. Normaler hätte hier nur eine Regel gegolten: Der Tauchgang muss durch den Guide bei maßgeblichen Veränderungen der Tauchbedingungen abgebrochen werden.

Regel 7: Krankenversicherung

Klar, heute hat jeder eine Krankenversicherung. Zu Hause sowieso und meistens auch im Urlaub durch eine abgeschlossene Auslandskrankenversicherung. Wer sich aber mal mit den Leistungsbeschreibungen auseinandersetzt, der wird sehr bald merken, dass diese (Auslands-)Krankenversicherung durch Tauchunfälle ausgelöste Krankheiten und Unfälle meisten ausschließt !!

Guter Rat ist hier gar nicht mal teuer. Gelegentlichen Urlaubstauchern kann hier nur der Rat gegeben werden, die eigene Unfallversicherung anzuschreiben und diese nach den Zusatzbedingungen im Falle von Hobby-Tauchunfällen zu fragen. Eine Vielzahl von Unfallversicherungen erweitert dann ohne weitere Versicherungskosten den Versicherungsschutz auch um die üblichen (und hoffentlich nicht vorkommenden) Tauchunfällen- und -krankheiten. Mir ist es selber passiert, dass ich bei einem Strömungstauchgang und einem plötzlichen Strömungswechsel am Ende eines UW-Canyons Kontakt am Arm mit einer Feuerkoralle hatte. Die daraufhin entstandenen Arztkosten hatte meine Unfallversicherung ohne Probleme übernommen.

Oder besser noch: Schließt eine spezifische Taucherversicherung ab, wie diese entweder direkt oder über Verbände angeboten wird. In dieser habt Ihr das volle Schutzpaket der Transportkosten zu einer Überdruckkammer, die Behandlung in derselben, Transport nach Hause, etc.. Wer mehr als nur ein bis zweimal im Jahr taucht, sollte diese Ausgaben um die 50 EUR im Jahr nicht scheuen.

Regel 8: Tauchintervalle

Eine alltägliche Geschichte: Du hast Dich für zwei Tauchgänge vom Boot eingeschrieben („two tank tour“). Am Abend zuvor warst Du mit Freunden an der Bar und das eine oder andere Bier wurde getrunken. Angesäuselt, aber noch nicht betrunken geht es etwas spät in’s Bett. Am nächsten Morgen wird hastig das Frühstück mit Kaffe eingenommen und es geht zur Tauchbasis, wo bald das Boot ablegt. Der erste Tauchspot ist das Wracktauchen, wo Du bei etwa 30 Meter mit der Gruppe den gesunkenen Frachter inspizierst, um dann -nach einem unruhigen Sicherheitsstopp von drei Minuten bei nicht immer 5 Metern- wieder aufzutauchen, an Bord zu gehen und mit dem Boot zum nächsten Tauchspot zu fahren. Dort kommt das Boot nach 45 Minuten an und Du bist nach weiteren 15 Minuten wieder im Wasser für Deinen zweiten Tauchgang, der Dich auch Sicherheitsgründen nicht tiefer als 20 Meter führt. Nach dem Tauchgang legt das Boot pünktlich gegen Mittag wieder an der Tauchbasis an, damit Du noch rechtzeitig zum Mittagessen kommst. Aber irgendwie fühlst Du Dich komisch !

Welche Fehler hast Du gemacht ?

Nichts gegen Bier am Abend und Kaffee am Morgen. Aber Alkohol und Kaffee entziehen dem Körper Flüssigkeit. Wird diese durch Wasser oder Säfte nicht wieder aufgefüllt, kann es zum Flüssigkeitsentzug (Dehydrierung) des Körpers kommen. Deshalb: Trinke vor, zwischen und nach den Tauchgängen unbedingt Wasser. Dein Körper und Deine Gesundheit wird es Dir danken.

2) Eine Tiefe von 30 Metern darf mit dem OWD erst gar nicht getaucht werden; hier endet es bei 20 Metern ! Erst mit dem AOWD bist Du ausgebildet genug, um auch Tiefen bis 30 Meter zu tauchen. Denn hier lernst Du auch wie Du bei dieser Tiefe saubere und sorgfältige Dekompressionsstopps planen kannst.

3) Zwischen Deinen beiden Tauchgängen lag -man will ja wieder zeitig zum Essen zurück sein- eine Stunde. Das ist zu wenig, denn wir alle wissen, dass zwischen zwei Tauchgängen grundsätzlich eine Mindestoberflächenpause von zwei (!) Stunden liegen soll.

Dein Unwohlsein hat also einen Grund: Du hast Dir und Deinem Körper zu viel zugemutet. Denn auch wenn Dein Computer keine Dekompressionszeit angezeigt hat und Du (liederliche) Sicherheitsstopps eingelegt hat, liegt bereits eine Stickstoffübersättigung vor.

Plane also besser, mute Deinem Körper nicht zu viel vor und laß es auf keinen Fall zu einer gesundheitlichen Schädigung kommen.

Regel 9: Vermeide Ohrentzündungen

Auf den Malediven ist das Wetter prima und warm. Nach einem Tauchgang tut es gut, sich den warmen Wind bei der Rückfahrt mit dem Boot „um den Kopf pfeifen“ zu lassen. Wer in dieser windigen Situation nicht vorbeugt, kann sich eine Ohrentzündung zuziehen. Denn Ihr müßt unbedingt eine Auskühlung der Ohren vermeiden. Schützt also die Ohren vor dem Fahrtwind! Außerdem solltet ihr diese nach dem Tauchgang mit einer kleinen Wasserdusche aus der Trinkflasche von etwaigen Bakterien reinigen!

Und wen doch mal die Ohrentzündung getroffen hat, der wird die nächsten drei Tage nicht mehr tauchen dürfen und muss sich einer medizinischen Behandlung durch den Insel-Doc unterziehen. Seine Patienten sind leicht durch die weißen Wattebäuschen im Ohr zu erkennen.

Freiverkäufliche Ohrentropfen, die Ihr eventuell aus Deutschland mitgenommen habt, helfen Euch bei bakteriellen Ohrentzündungen nicht. Hier ist schon ein verschreibungspflichtiges Medikament mit Antibiotika (z.B. Panotile N) erforderlich.

Regel 10: Medikamente

Irgendwie haben wir alle mal gelernt, dass Medikamente im Körper beim Tauchen eine fatale Wirkung entfalten könne, weil deren Wirkung durch die veränderten Druckverhältnisse unter Wasser eine andere werden kann.

Ich habe Taucher erlebt, die nach durchzechter Nacht am Morgen mal eben schnell eine Spalt gegen den Brummschädel eingenommen haben. Das ist doppelt gefährlich ! Einerseits veränderte diese Medikament unter Wasser seine Wirkung.

Aber andererseits bewirkt es eine Blutverdünnung, die dazu führt, dass der im Blut nach jedem Tauchgang enthaltene Reststickstoff nun auch noch „säuberlich“ im ganzen Körper verteilt wird. Wer gleichwohl etwas gegen Schmerzen tun muss, sollte dann besser Paracetamol bei sich führen, weil dieses Mittel eben nicht zur Blutverdünnung führt.

Aber am Besten ist es: verzichtet völlig auf Medikamente beim Tauchen !

Verfasser ulrich@sunisland-malediven.de